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Naturnahe Grabgestaltung und -pflege

Umwelttipp des Mainzer Umweltladens

Friedhöfe im Wandel

Friedhöfe befinden sich im Wandel. Die klassische Bestattungsform des Erdgrabes ist auch in Mainz stark rückläufig zugunsten Platz sparender Urnengräber und Kolumbarien. Große Grabflächen, welche noch bis zur Jahrtausendwende für Erdgrabstätten benötigt wurden, werden nach und nach frei. Auf allen 14 Mainzer Friedhöfen entstehen durch die zunehmend nachgefragte Feuerbestattung mit Urnenbeisetzung jedes Jahr insgesamt zusätzliche Freiflächen von ca. 1.600 m².

Diese Flächen werden mittelfristig nicht mehr als Grabflächen benötigt, daher wird ihre Pflege extensiviert. Eine arten- und lebensraumfördernde Strukturvielfalt kann sich entwickeln. Spürbar erhalten die Mainzer Friedhöfe erweiterte, positive Funktionen für Mensch und Natur: als Orte der Naherholung und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Wegen ihres alten Baumbestandes tragen sie maßgeblich zur Klimaverbesserung in der Stadt bei. So steigern Friedhöfe unsere Lebensqualität und bringen die Natur in die Stadt.

Naturnahe Grabstätten

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll und wünschenswert, die Gräber auf den Friedhöfen naturnah und nachhaltig zu gestalten. Richtig angelegt sind naturnahe Grabstätten optisch ansprechend und reduzieren den Pflegeaufwand. Beispielsweise profitieren Insekten von der Auswahl möglichst einheimischer Pflanzen mit ungefüllten Blüten. Viele Zuchtformen haben gefüllte Blüten, die eine vermehrte Anzahl von Blütenblättern aufweisen. Für Bienen und andere Insekten scheiden solche Blüten als Nahrungsquelle aus, denn die pollen- und nektarbildenden Organe sind für sie unzugänglich.

Ein wichtiges Anliegen: Abfallfreie Bestattungskultur

Grabschmuck aus Plastik passt nicht zu einem naturnahen Grab. Laut Wirtschaftsbetrieb Mainz sind im Jahr 2019 rund 70 Tonnen Siedlungsabfälle auf den Mainzer Friedhöfen angefallen. Diese Menge an falsch entsorgtem Restmüll findet sich in Behältnissen, welche eigentlich nur für Verpackungsmüll vorgesehen sind. In Folge können Kränze, Vasen, Kerzenhüllen, Blumensteckschaum und Blumenverpackungen etc. nicht ordnungsgemäß dem Recycling zugeführt werden.

Grundsätzlich wäre auch ein Großteil dieses Verpackungsabfalls vermeidbar, denn genauso gut eignen sich kompostierbare Gestecke, Grabschalen und Kranzunterlagen aus natürlichen Materialien sowie wiederbefüllbare Grablichter. Leider sind solche Produkte, die zu einer abfallfreien Bestattungskultur beitragen noch nicht Standard. Fragen Sie deshalb in Friedhofsgärtnereien explizit nach nachhaltigem Grabschmuck, der über den Großhandel bezogen werden kann. Einige Anbieter, die auch umweltfreundliche Materialien in ihrem Angebot führen, finden Sie am Ende des Artikels.

Mythos Torf

Hartnäckig hält sich die Ansicht, dass Gräber mit torfhaltiger Erde angelegt werden müssen. Was sind die Vor- und Nachteile von Torf? Er ist beliebt, weil er Wasser gut speichert, ohne dass die Wurzeln an Luftmangel leiden und so zu faulen beginnen. Außerdem ist sein pH-Wert und Nährstoffgehalt flexibel einstellbar, je nachdem, welche Pflanze kultiviert werden soll. Zu guter Letzt ist er im trockenen Zustand schön leicht, also gut zu transportieren.

Bei der Gewinnung von Torf werden unwiederbringlich ganze Hochmoore abgebaut, die sich über viele Jahrzehnte gebildet haben. Durch den Abbau wird klimaschädliches CO2 frei. Die enorme Fähigkeit, CO2 zu speichern und der Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen gehen somit verloren. Lassen Sie sich beim Kauf nicht täuschen, denn auch torfreduzierte Erde enthält noch ca. 70 - 80% Torfanteil. Doch es gibt gute Alternativen! Nehmen Sie Kompost aus dem eigenen Garten oder in der Grünabfallanlage erhältlichen Grüngutkompost, der aus Gras-, Rasen-, Gehölz- und Heckenschnitt sowie Herbstlaub hergestellt wird. Auch Rindenkompost von Baumrinde, die bei der Holzverarbeitung anfällt und heimische Holzfasern eignen sich. Nähere Infos finden Sie in der u.a. Linkliste.

So gelingt Ihnen die Anlage und Pflege eines naturnahen Grabes

Bei der Anlage eines naturnahen Grabes ist neben der Erde vor allem die richtige Bepflanzung wichtig. Für eine dauerhafte und pflegeleichte Grabbepflanzung eignen sich immergrüne, bodendeckende Arten wie z.B. Immergrün oder Winterheide. Dazwischen setzen Sie mehrjährige, blühende Stauden, Knollen- oder Zwiebelpflanzen. Die jahreszeitlich wechselnde Bepflanzung aus blühenden, einjährigen Kräutern reduzieren Sie auf ein Minimum.

  • Verwenden Sie bei der Anlage des Grabes Gartenkompost, Grüngutkompost, Rindenkompost oder heimische Holzfasern.
  • Verzichten Sie auf Kunstdünger. Diese wirken nur kurzzeitig, weil sie sofort vollumfänglich im Boden verfügbar sind. Organische Dünger wie Pflanzenkompost, Hornspäne oder Guano haben eine Langzeitwirkung und ersparen Ihnen häufiges Nachdüngen. Viele wärmeliebende Pflanzen benötigen überhaupt keine zusätzliche Düngung.
  • Eine Bodenabdeckung aus Gehölzhäcksel oder Rindenmulch hält zusätzlich den Bodenfeucht. Hierdurch verhindern Sie ein zu starkes Austrocknen und das Ausbreiten von unerwünschten Kräutern.
  • Bepflanzen Sie das Beet mit einheimischen Kräutern und Stauden, die an die örtlichen Boden- und Lichtverhältnisse angepasst sind. Eine geringe jahreszeitlich wechselnde Bepflanzung mit blühenden Kräutern erleichtert Ihnen die Pflege. Eine Informationsbroschüre und eine Pflanzenliste mit insektenfreundlichen, mehrjährigen Arten gibt es auf der Internetseite des Wirtschaftsbetriebs Mainz, siehe Linkliste.
  • Sträucher und Bäume eignen sich nicht zur Grabbepflanzung, da sie schnell zu groß werden.
  • Bei der Pflege ist zu beachten, dass ein Bodendecker- und Staudengrab wesentlich weniger Wasser benötigt, als ein Grab mit Wechselbepflanzung.
  • Wässern Sie lieber seltener aber dafür ausreichend bis in die tieferen Bodenschichten. Gießen Sie am besten morgens oder abends und das in Bodennähe (nicht sprengen).

Das Ergebnis ist ein natürlich gestaltetes, lebendiges und pflegeleichtes Grab, das Sie gerne besuchen werden. Weitere Informationen und Beratung zum Thema „Naturnahe Grabgestaltung und –pflege“ erhalten Sie im Mainzer Umweltladen in der aktuellen Ausstellung „Mainzer Friedhöfe – Rückzugsgebiete für Mensch und Natur“, die noch bis zum 28.08.2020 zu sehen ist.

Adresse

Umweltladen
Mainzer Umweltladen
Steingasse 3-9
55116 Mainz
Telefon
+49 6131 12-2121
Telefax
+49 6131 12-2124
E-Mail
umweltinformationstadt.mainzde
Internet

Öffnungszeiten

Corona-Pandemie-bedingt ist der Umweltladen von Montag bis Freitag (10-13.00 Uhr, 13.30-18 Uhr) geöffnet. Samstags bleibt der Laden vorerst geschlossen.

Erreichbarkeit

Haltestellen / ÖPNV

Haltestelle Münsterplatz:
Linien: 6, 50, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 78, 90, 91

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