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Rede anlässlich 150 Jahre Mainzer Domchor

Dienstag, 01. November 2016, 10.00 Uhr
Dom/Erbacher Hof

Sehr geehrter Herr Weihbischof Dr. Bentz,
sehr geehrter Herr Diözesan-Administrator Giebelmann,
sehr geehrter Herr Domdekan Heckwolf,
sehr geehrter Herr Pfarrer Linnenborn,
sehr geehrter Herr Domkapellmeister Storck,
sehr geehrte Damen und Herren,

150 Jahre Mainzer Domchor – ich freue mich, heute dieses besondere Jubiläum gemeinsam mit Ihnen zu feiern und überbringe Ihnen im Namen der Stadt, ihrer Verwaltung und ihrer Bürgerinnen und Bürger dazu die allerherzlichsten Glückwünsche.

150 Jahre – das ist ein stattliches Alter!

Am Mainzer Dom ist die kirchliche Chormusik ein zentraler Aspekt der Liturgie, wozu der Domchor einen herausragenden Beitrag leistet: eingebettet in eine 150-jährige Tradition, gegründet 1866 als Chor für Knaben- und Männerstimmen von dem  als „Sozialbischof“ hoch angesehenen und verehrten Mainzer Oberhirten Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler.

Dem Domchor gehören heute rund 170 Sänger an, die über ein umfangreiches Repertoire, das von gregorianischer A-Capella-Musik bis zu Kompositionen der Gegenwart reicht, verfügen. Er hat das klar formulierte Ziel, die Kinder und Jugendlichen über die Vermittlung von Freude an der Musik zu fördern und zu fordern.

An Maria Ward, Willigis und Theresianum sowie an den Grundschulen zeigt der Chor den Schülern den richtigen Umgang mit der Stimme.

Die Leitung in Nachfolge von Heinrich Hain hatte von 1985 bis Juli 2012 Domkapellmeister Prof. Mathias Breitschaft inne. Seit seiner Berufung zum Domkapellmeister im August 2012 ist nun Karsten Storck künstlerischer Leiter des Mainzer Domchores. In diesen drei Jahrzehnten intensiver musikalischer Arbeit hat sich der Mainzer Domchor - wie die Musica Sacra am Hohen Dom zu Mainz insgesamt - weit über die Region hinaus und auch außerhalb kirchlicher Strukturen einen hervorragenden Ruf erworben und sich damit als wichtiger Bestandteil und Botschafter der Musik- und Kulturszene der Landeshauptstadt etabliert.

Wer von uns hat nicht die aktuelle Laudatio zu 25 Jahren des „Vereins der Freunde und Förderer der Musica Sacra am Hohen Dom zu Mainz“ in den Mainzer Vierteljahresheften gelesen? Der Verein unterstützt die Mainzer Kirchenmusik ideell und materiell – mit großem Erfolg. Und das, meine Damen und Herren, ist einen Extra-Applaus wert!

Und wer hat nicht die Sonderseite der Allgemeinen Zeitung zu „150 Jahren Mainzer Domchor“ in der Ausgabe vom 13. Oktober verfolgt? Die Musica sacra in Mainz empfindet Karsten Storck dort als ein Geschenk – nicht nur für die Zuhörer.

Auch dies verdient besonderen Beifall.

Besonders eindrucksvoll war wohl das Konzert mit dem Jugendsinfonieorchester in unserer israelischen Partnerstadt Haifa im Jahr 1988, das im Publikum auch ehemalige Mainzer Juden verfolgten, geflohen vor dem Naziterror.

Auch in bester Erinnerung: ein Besuch des Mainzer Domchores in Rom 2008. Nach dem Vatikangottesdienst wurde der Chor in die Privatbibliothek des Heiligen Vaters geladen und konnte ihm 20 Minuten lang Weihnachtslieder vorsingen. Das muss für alle ein höchst eindrucksvolles Erlebnis gewesen sein.

Seit 150 Jahren singen die Jungen und jungen Männer ohne Unterbrechung in der Domliturgie an Sonn- und Feiertagen. In den letzten 25 Jahren haben zudem die Konzertverpflichtungen stark zugenommen. Konzertreisen in alle Welt und Auftritte in großen deutschen Kathedralen und Konzertsälen zeugen von einem hohen Bekanntheitsgrad des Chores.

Zahlreiche CD- und Rundfunk-Einspielungen sowie Fernsehauftritte ergänzen das Tätigkeitsfeld. Das musikalische Repertoire reicht  von der Gregorianik bis zur Gegenwart. Bachs „Weihnachts-oratorium“ und seine Passionen, Haydns „Schöpfung“, seine Messvertonungen wie auch die von Wolfgang Amadeus Mozart, Mendelssohns „Elias“ und viele andere große Werke hat der Mainzer Domchor bereits aufgeführt.

Dreimal pro Woche treffen sich die Sänger im „Chorhaus am Dom“, um das große Repertoire zu erarbeiten. Einzelne Jungen oder auch Chorgruppen treten in vielen Opernproduktionen im gesamten Rhein-Main-Gebiet auf.

Ausgleich und Höhepunkte gleichermaßen für die Sänger des Domchors – aber auch für die Domkantorei und den Mädchenchor - sind die Auslandskonzerte, mit denen sie als klangvolle Botschafter für Mainz werben und an der Völkerverständigung mitarbeiten. Konzertreisen führten nach Italien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Israel, Russland, USA, Kanada und Brasilien.

Neben den musikalischen Aktivitäten wird großer Wert auf das soziale Miteinander gelegt. Hierzu zählen gemeinsame Ausflüge zu Konzerten, aber auch Freizeitaktivitäten. Das ist eine kurze, aber sehr intensive Zeit, während der Gemeinschaft, Freude an der Musik sowie christlich-humanistische Grundwerte vermittelt werden. Durch das Singen im Chor trainiert wird außerdem ein gesundes Sozialverhalten.

Viele Bindungen sind hier über die Jahrzehnte entstanden – Bindungen zwischen den einzelnen Chormitgliedern, besonders aber zwischen dem Chor und seinem Chorleiter.

Es wundert also nicht, dass der Domchor heute nicht nur fest verankert ist im kulturellen Leben unserer Stadt, sondern darüber hinaus einer ihrer „musikalischen Botschafter“ ist.

„Singen ist das Fundament zur Musik in allen Dingen. /
Wer die Composition ergreifft, muss in seinen Sätzen singen. /
Wer auf Instrumenten spielt, muss des Singens kundig seyn. /
Also präge man das Singen jungen Leuten fleißig ein.“

So sprach Georg Philipp Telemann vor fast 300 Jahren.

Ich freue mich, dass in diesem Sinne das vielfältige Wirken des Chores durch das 150-jährige Jubiläum besondere Aufmerksamkeit und Würdigung erfährt und wünsche dem Domchor weiterhin viel Freude bei der Gestaltung der Gottesdienste und Erfolg bei seinen Konzerten im In-und Ausland.

Vielen Dank!