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Rede des Oberbürgermeisters zum Tag der Städtepartnerschaft Mainz und Haifa

7. Mai 2015, Rathaus

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Dr. Gerster,

herzlich Willkommen zum Tag der "Städtepartnerschaft – Mainz & Haifa" aus Anlass des 50. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel!

Seit einem halben Jahrhundert sind die Beziehungen zu Israel ein Grundpfeiler deutscher Außenpolitik. Zugleich aber sind sie über die Ebene der Diplomatie weit hinausgewachsen. Ob in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur oder Bildung: Die Partnerschaft zwischen Israel und Deutschland blüht heute auf vielen Feldern und unzählige tiefe Freundschaften sind aus ihr hervorgegangen – zwischen Deutschen und Israelis wie auch zwischen den Bürgerinnen und Bürgern von Haifa und Mainz.

Wir haben also allen Grund, mit der Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen in den vergangenen Jahrzehnten zufrieden zu sein, denn vor dem Hintergrund unserer deutschen Geschichte war eine solche Entwicklung alles andere als eine Selbstverständlichkeit – und keine Selbstverständlichkeit war auch die Partnerschaft zwischen Haifa und Mainz!

Man muss sich – fast auf den Tag genau 70 Jahre nach Kriegsende – nur noch einmal ins Bewusstsein zurückrufen, wie unendlich schwer nicht nur die ersten Gespräche zwischen Deutschen und Juden damals waren, sondern wie schwer allein schon die Entscheidung zur Aufnahme dieser Gespräche war – vor allem auf israelischer Seite.

Der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman hat das am Montag vor einer Woche sehr treffend formuliert, als er zum Auftakt einer internationalen Konferenz der Uni Mainz aus Anlass des Deutsch-Israelischen Jahrestages sagte:

"Vor 70 Jahren hat niemand ahnen können, dass es überhaupt einmal Beziehungen zwischen Israel und Deutschland geben würde, oder zwischen Juden und Deutschen".

Und er ergänzte: "Die Entwicklung ist unglaublich, manche sprechen von einem Wunder."

Ja, ein Wunder, meine Damen und Herren, und zu diesem Wunder haben viele Menschen beigetragen, auch in Mainz und Haifa.

Ich übertreibe daher nicht, wenn ich sage: Unsere gemeinsame Geschichte in den vergangenen 50 Jahren – wenn nicht sogar seit Kriegsende – ist eine Geschichte kontinuierlich gewachsenen Vertrauens!

Es ist die Geschichte einer Freundschaft, die am Anfang eigentlich gar keine gemeinsame Basis hatte, – haben konnte. Und die sich dennoch aus unendlich schweren Anfangsjahren zu der unver­brüchlichen Partnerschaft entwickelt hat, die wir heute zu Recht feiern.

Wenn ich allerdings von "unverbrüchlicher Partnerschaft" spreche, dann meine ich damit nicht, dass kritische Töne nicht erlaubt wären.

Ich denke, gerade unter Freunden muss auch Kritik an manchen Entscheidungen der aktuellen israelischen Politik ebenso möglich sein wie die berechtigte Sorge und Kritik an den erschreckenden antisemitischen Tönen und Tendenzen insbesondere in Deutsch­land, aber auch in anderen Ländern Europas.

Dabei dürfen wir nicht übersehen, dass sich dieser Antisemitismus allzu leicht unter dem Deckmantel der Kritik an der aktuellen Politik der israelischen Regierung verbirgt.

Hier müssen wir wachsam sein, auch deshalb, weil Freundschaft und Vertrauen ein zerbrechliches Gut sind!


Meine Damen und Herren,

am 30. März 1987 wurde die Städtepartnerschaft zwischen Haifa und Mainz offiziell begründet. Sechs Jahre zuvor hatten sich bereits die Universitäten unserer Städte zusammengeschlossen und noch sehr viel weiter reichen die ersten Kontakte zwischen unseren Bürgerinnen und Bürgern.

Vom festen Band unserer Städtepartnerschaft konnte ich mich erst vor zwei Monaten selbst wieder überzeugen, als ich mit meinen Kollegen aus den anderen deutschen Partnerstädten in Haifa eine Erklärung zur Vertiefung der Zusammenarbeit unterzeichnete.

Diese Erklärung ist weit mehr als nur eine Willensbekundung: Sie ist Wegweiser in Richtung einer auch weiterhin gemeinsamen Zukunft, die wir gemeinsam gestalten wollen!

Ich weiß sehr wohl: Zukunft wird von Menschen gemacht und gestaltet und nicht allein von Papieren. Von Menschen zum Beispiel wie meinem Kollegen, dem langjährigen Bürgermeister von Haifa, Yona Yahav, der nicht nur eine faszinierende Persönlichkeit ist, sondern auch die treibende Kraft hinter der Partnerschaft seiner Stadt mit Mannheim, Düsseldorf, Erfurt, Bremen und Mainz.

Es ist bewundernswert, mit welch großer Kontinuität und mit welch ausgeprägtem Interesse er sich in diese Aktivitäten persönlich einbringt!

Yona Yahavs Vater stammte aus Köln, und er selbst hatte sich als Jugendlicher geschworen, nie und nimmer deutschen Boden zu betreten.

Auch seine eigene Biographie und damit seine Annäherung an Deutschland ist also ein Kapitel in der langen Geschichte der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel seit Ende des Zweiten Weltkrieges – und auch sie ist vielleicht ein kleines Wunder…

Für mich ist es jedenfalls eine Freude und Ehre, mit der heutigen Veranstaltung wie auch mit dem neuen Partnerschaftsabkommen an das Band der Freundschaft mit Haifa anzuknüpfen, das unter Jockel Fuchs begonnen und von allen meinen Vorgängern im Amt mit großem persönlichem Einsatz gepflegt wurde.

Im Übrigen ist Israel abseits der in den Medien allzu dominanten Krisenberichterstattung einfach ein faszinierendes Reise-Land, das kaum jemanden, der einmal dort war, wieder loslässt!


Meine Damen und Herren,

der heutige Tag steht im Kontext des 50-jährigen Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundes­republik Deutschland und dem Staat Israel. Er steht für eine gelebte Bürgerpartnerschaft und für die Kontaktpflege der beiden Städte.

Ich freue mich daher ganz besonders, dass wir für diesen beson­deren Tag einen so profilierten Redner wie Dr. Johannes Gerster gewinnen konnten. Sicherlich kann kaum ein anderer Mainzer einen so beeindruckenden Erfahrungsschatz zu den Beziehungen zwischen Deutschland und Israel auf den unterschiedlichsten Ebenen vorweisen.

Sein Vortrag, den wir gleich hören werden, sucht nach Antworten auf die Frage "Wann gibt es Frieden für Israel?" und blickt dabei hinter die Kulissen des Nahost-Konflikts.

Im Anschluss daran werden Sie, verehrte Gäste, darüber hinaus Gelegenheit haben, sich im Foyer ausführlich zu informieren und zwar:

  • über die Bildungs- und Begegnungsstätte Givat Haviva, die sich für jüdisch-arabische Verständigung einsetzt;
  • über die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, die auch in diesem Jahr wieder eine ihrer hoch interessanten Bildungsreisen nach Israel anbietet und sich regelmäßig mit Vorträgen und Diskussionen in die öffentliche Nahost-Debatte einbringt;
  • über die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die in diesem Jahr ebenfalls ihr 50-jähriges Jubiläum feierte;
  • über die jüdische Umweltorganisation KKL, die auch Büros in Deutschland unterhält, sowie zu guter Letzt über
  • die Deutsch-Israelische Gesellschaft Mainz, die den heutigen Haifa-Tag dankenswerterweise mitorganisiert hat.

Außerdem möchte ich Ihnen abschließend noch eine besondere Filmpremiere ans Herz legen, die heute Abend um 19.30 Uhr im Capitol Filmtheater am Neubrunnenplatz stattfindet: Die ZDFinfo-Dokumentation „Hafen der Hoffnung – Haifa das Tor Israels“ des langjährigen ehemaligen ZDF-Korrespondenten in Tel Aviv, Dietmar Schulz.

Sie erzählt von den mehr als 60.000 deutschen Juden, die nach 1933 nach Palästina emigrierten und in Haifa ihr Eingangs-Tor zur neuen fremden Heimat fanden.

Zeitzeugen aus Haifa, die früher in Mainz lebten, kommen darin zu Wort und berichten über ihre abenteuerliche Flucht aus Deutsch­land und über die schwierigen Anfangsjahre in Israel.

Der Film ist ein eindrucksvolles Zeugnis deutsch-jüdischer Vergangenheit und wohl eines der letzten filmischen Zeugnisse dieser Art überhaupt. Ich würde mich sehr freuen, Sie dazu heute Abend erneut begrüßen zu dürfen.

Jetzt aber gebe ich meinen Platz hinter dem Mikrofon gerne frei für Dr. Johannes Gerster, den ehemaligen Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem, den Ehrenpräsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und nicht zuletzt profunden Israel- und Nahost-Kenner.

Ich darf mich an dieser Stelle ausdrücklich dafür entschuldigen, dass ich wegen einer unmittelbar anschließenden Ausschuss-Sitzung dem Vortrag leider selbst nicht beiwohnen kann.

Ich möchte mich aber umso mehr bei Herrn Dr. Gerster bedanken, dass er sich bereit erklärt hat, den heutigen Haifa-Tag im Rathaus mitzugestalten.


Meine Damen und Herren,

noch einmal heiße ich Sie herzlich willkommen im Mainzer Rathaus und wünschen Ihnen jetzt einen spannenden Haifa-Tag!

In den kommenden Tagen erwarten Sie in Mainz übrigens noch weitere Veranstaltungen rund um das deutsch-israelische Jubiläumsjahr, darunter am 17. Mai ein Israel-Tag in der Mainzer Synagoge. Auch diese Veranstaltung darf ich Ihnen schon jetzt ausdrücklich ans Herz legen.

Vielen Dank.